Wie Schüler*innen Entscheidungen im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung treffen. Eine qualitative Studie zu den Entscheidungsprozessen von 11–12-jährigen Schüler*innen
- In der Diskussion um die Gestaltung einer Nachhaltigen Entwicklung (NE) besteht Konsens darüber, dass ein übergeordnetes Ziel einer Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) die Befähigung der Heranwachsenden zur Partizipation an entsprechenden gesellschaftlichen Prozessen ist. Um diese Partizipation kompetent zu realisieren, bedarf es der Fähigkeit, reflektierte Entscheidungen, die den Anforderungen einer NE gerecht werden, zu treffen und umzusetzen. Mit Blick auf die Förderung der Entscheidungskompetenz von Heranwachsenden im Kontext einer NE ist es wichtig zu verstehen, wie sie Entscheidungen im Kontext einer NE treffen, um diese Fähigkeit im Unterricht gezielt fördern zu können. Diese publikationsbasierte Dissertation widmet sich deshalb der Gestaltung von Entscheidungsprozessen im Kontext einer NE und untersucht, basierend auf einem qualitativen Forschungszugang, wie 11–12-jährige Schüler*innen aus der deutschsprachigen Schweiz die selektionale Phase eines individuellen Entscheidungsprozesses gestalten. Im Zentrum der Datenerhebung steht die Durchführung von Einzelinterviews mit Deutschschweizer Schüler*innen (n = 27) aus der sechsten Schulklasse. Hierzu wird die Methode des unstrukturierten Lauten Denkens in Kombination mit einer Phase der Retrospektion eingesetzt. Die erhobenen Daten werden zunächst nach Mayring (2020) mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet, gefolgt von einer typologischen Analyse nach Kelle & Kluge (2010). Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Befragten ihre Entscheidungsprozesse unterschiedlich gestalten. Es lassen sich fünf Typen individueller Entscheidungsprozesse unterscheiden. Die Unterschiede zwischen den Typen zeigen sich insbesondere im Formulieren und Berücksichtigen mehrerer Handlungsoptionen sowie im Abwägen zwischen konfligierenden Handlungsoptionen. Dabei zeigt sich, dass der Einbezug konfligierender Werte die Gestaltung von Entscheidungsprozessen im Sinne einer NE zu begünstigen scheint. Weiterhin wird deutlich, dass NE-Wissensinhalte bei der Gestaltung von Entscheidungsprozessen teilweise berücksichtigt werden, ohne jedoch der Mehrdimensionalität einer NE gerecht zu werden. Vor dem Hintergrund der gewonnenen Ergebnisse lässt sich schlussfolgern, dass die Entscheidungskompetenz von Kindern durch Peer-Learning im Unterricht optimal gefördert und erweitert werden kann. Darüber hinaus wird vermutet, dass die Bearbeitung von fiktiven, thematisch kontroversen Entscheidungssituationen im Unterricht didaktisch genutzt werden könnte, um Wertkonflikte zu provozieren und den Umgang damit zu fördern wie auch NE-Wissensinhalte aufzubauen und deren Mehrdimensionalität zu fördern. Im Hinblick auf weitere Forschungsarbeiten können die gewonnenen Erkenntnisse im Kontext weiterer empirischer Forschungen im Sinne der Hypothesengenerierung genutzt werden.
| Author: | Federica Valsangiacomo |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:bsz:frei129-opus4-34152 |
| DOI: | https://doi.org/10.60530/opus-3415 |
| Referee: | Ute Bender, Christine Künzli David |
| Document Type: | Doctoral Thesis |
| Language: | German |
| Year of Completion: | 2025 |
| Publishing Institution: | Pädagogische Hochschule Freiburg |
| Granting Institution: | Pädagogische Hochschule Freiburg, Fakultät für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik |
| Date of final exam: | 2024/02/21 |
| Release Date: | 2025/02/13 |
| Tag: | Bildung für Nachhaltige Entwicklung; Entscheidungsprozesse; Typologie decision-making processes; education for sustainable development |
| GND Keyword: | Nachhaltigkeit; Bildung |
| Page Number: | IX, 151 S. |
| DDC class: | 300 Sozialwissenschaften |
| Open Access: | Frei zugänglich |
| Licence (German): | Urheberrechtlich geschützt |


