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Urteile und Entscheidungen unter Unsicherheit in Kindeswohlabklärungen. Einflussfaktoren auf Fallbeurteilungen in einer multifaktoriellen, experimentellen Vignettenstudie

  • Die Studie richtet den Blick auf angeordnete Abklärungen im Kinderschutz in der deutschsprachigen Schweiz und untersucht, welches Gewicht einzelne Merkmale von Fallsituationen (bspw. Lebensumfeld Kind, elterliche Kooperation) bei den abklärenden Fachkräften in der Beurteilung der Ausprägung der Kindeswohlgefährdung sowie bei der Einschätzung der Notwendigkeit einer Fremdplatzierung haben. Weiter wird untersucht, inwieweit diese Einschätzungen mit Merkmalen der Fachkräfte (bspw. Berufserfahrung, Einstellungen) und der Organisationen (bspw. Organisationstyp) zusammenhängen. Der Fokus liegt auf Fällen von potenzieller Vernachlässigung eines Kleinkindes. Zur Prüfung der aus einem systematischen Literatur-Review abgeleiteten Forschungshypothesen wurde ein multifaktorielles, experimentelles Vignettendesign (Faktorieller Survey) verwendet. Von den zum Online-Survey eingeladenen Fachkräften haben 543 Personen aus 159 Diensten die Befragung beendet und 1625 Vignetten beurteilt (63% Rücklaufquote). Die Teilnehmenden beurteilten fiktive, aber realistische Fallsituationsbeschreibungen von potenziellen Vernachlässigungen (Vignetten) hinsichtlich des Grads der Kindeswohlgefährdung sowie der Wahrscheinlichkeit, mit der sie eine Fremdplatzierung empfehlen würden. In den Beschreibungen wurden die Ausprägungen von sieben Merkmalen dieser Situationen experimentell variiert (Vernachlässigung der Aufsicht, Lebensumfeld Kind, elterliche psychische Gesundheit, Erziehungsfähigkeit, Beziehungsverhalten Kind, private soziale Unterstützung, elterliche Kooperation). Zusätzlich wurden Merkmale der Fachkräfte und deren Organisationen über den Survey erhoben. Die Daten wurden mit statistischen Mehrebenenmodellen analysiert. Alle untersuchten Fallmerkmale hatten einen statistisch signifikanten Effekt auf die Beurteilungen (Kindeswohlgefährdung; Empfehlung einer Fremdplatzierung). Dabei hatte die private soziale Unterstützung ein besonderes geringes und die elterliche Kooperation ein besonders hohes Gewicht. Die meisten untersuchten Merkmale der Fachkräfte standen in einem geringen oder keinem Zusammenhang mit der Gefährdungseinschätzung oder der Fremdplatzierungsempfehlung. Eine Ausnahme ist die allgemeine, fallunspezifische Bereitschaft der Fachkräfte zur Fremdplatzierung. Die gefundene geringe statistische Bedeutung der Organisationsebene bei gleichzeitig hoher Variabilität der Beurteilungen zwischen den Fachkräften verweist auf grosse Ermessensspielräume der Fachkräfte. Die Schlussfolgerungen beziehen sich auf die Bedeutung der Befunde für die wissenschaftliche Fachdiskussion und auf Anregungen für die praxisorientierte Kinderschutzfachdiskussion.

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frontdoor_oas
Metadaten
Author:Joel GautschiORCiD
URN:urn:nbn:de:bsz:frei129-opus4-8835
Referee:Albert Scherr, Stefan Schnurr
Advisor:Albert Scherr, Stefan Schnurr
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Year of Completion:2021
Publishing Institution:Pädagogische Hochschule Freiburg
Granting Institution:Pädagogische Hochschule Freiburg, Fakultät I
Date of final exam:2021/01/15
Release Date:2021/03/18
Tag:Kindeswohlabklärung; Mehrebenenanalyse; Urteils- und Entscheidungsfindung; Vernachlässigung; Vignetten
GND Keyword:Kinderschutz; Entscheidungsfindung; Kindeswohl; Fremdunterbringung; Schweiz
Pagenumber:474
DDC class:300 Sozialwissenschaften / 360 Soziale Probleme, Sozialdienste, Versicherungen
Licence (German):License LogoCreative Commons - CC BY - Namensnennung 4.0 International